Was ist die richtige Weite für den Maschenanschlag, wenn du ein neues Strickprojekt beginnst
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Ein gut sitzender Pulli ist kein Zufall. Erst durch die perfekte Weite für den Maschenanschlag bekommst du einen selbstgestrickten Pullover, der genau zu dir passt. Die Zahlenhexe kennt die nötigen Tipps, damit dein neues Strickprojekt mit wenigen Handgriffen perfekt wird.
Es gibt viele Fehler, die du am Anfang bei deinem neuen Strickprojekt machen kannst. Doch es gibt nur ein Maß, das du beim Maschenanschlag unbedingt beachten musst. Das ist die Weite von deinem neuen Pulli. Ich zeige dir, worauf du achten musst, um die perfekte Weite zu finden. Damit dein selbstgestrickter Pullover garantiert passt.
Du hast die Maschenprobe gestrickt und ausgemessen.
Und jetzt?
Was machst du jetzt mit diesen Zahlen?
Wie sollst du herausfinden, wie viele Maschen du anschlagen musst?
Hast du bisher deine Konfektionsgröße in der Anleitung herausgesucht und dann die Maschen angeschlagen, die da stehen?
Ohne rechnen?
Hatte dein Pulli die richtige Weite?
Dann war das Glück oder Zufall.
Wenn nicht, dann lies weiter und ich zeige dir, wie du mit Maßband und Anleitung einen Pulli mit der perfekten Weite für dich bekommst.
Du wirst es nicht glauben.
Das Wichtigste, um die Weite für den Maschenanschlag zu ermitteln, ist es, zuerst die Länge zu bestimmen.
Wie lang soll dein Pulli werden
Hast du eine Schnittzeichnung, dann sagt sie dir, welche Form, Länge und Weite dein Pullover laut Anleitung haben soll.
Aber ist das für dich überhaupt die richtige Länge?
Sieh dir zuerst die Maße deiner Anleitung an und miss diese Werte an deinem Körper mit dem Maßband nach.
Ist die Länge an der gleichen Stelle wie auf dem Foto der Anleitung?
Gefällt dir das so?
Ich habe hier ein Beispiel für dich, das dir die Sache verdeutlicht.
Du siehst, dass bei dem Fotomodell die 61,5 cm aus der Beschreibung an einer anderen Stelle enden als bei dir.
Im Beispiel sind die 61,5 cm die rote Linie.
Was bei dir um die Hüften baumelt, kann bei dem Fotomodell gnädig den Bauchnabel bedecken, je nachdem, wie groß die Dame ist.
Entscheide also zuerst, wo dein Pulli enden soll.
Mit dem Maßband an deinem Körper.
Überprüfe die Höhe, wie beim Fotomodell, die Länge aus der Anleitung und bestimme dann einfach die Länge, die dir gefällt.
Nachdem du die Länge kennst, musst du die Passform berücksichtigen, um die Weite für den Maschenanschlag festzulegen.
Welchen Schnitt hat dein Modell
Im Laufe der Jahrzehnte waren schon sehr viele Schnittformen modern.
Kennst du die eng anliegenden Pullis der 70er Jahre, die mit einem breiten Bund in der Taille endeten?
Und kannst du dich an die 80er erinnern, mit den quadratischen, überweiten Pullis mit überschnittenen Ärmeln und extremen Schulterpolstern?
Zum Spaß habe ich dir zwei von diesen Modellen herausgesucht, bei denen du die Unterschiede sehen kannst.
Das 70er-Modell auf der linken Seite hat bei Größe 36/38 eine Weite von 34 cm am Anschlag in der Taille.
Beim 80er-Modell ist die Weite bei der gleichen Größe 52 cm an der Hüfte.
Das sind 18 cm Unterschied bei der Größe 36/38.
Der 80er-Pulli ist also 50 % weiter als der 70er-Pulli.
Außerdem endet das eine Modell in der Taille, während das andere bis über die Hüften geht.
Okay, die heutige Mode ist irgendetwas dazwischen.
Aber 52 cm an der Hüfte bei Größe 36 sieht für heutiges Empfinden wie ein Sack aus.
Dafür würdest du dir in dem 70er-Modell wie eine Presswurst vorkommen.
Die Weite ist also auch eine Frage der persönlichen Wahrnehmung.
Und der Mode.
Was empfindest du als bequem
Die Bequemlichkeit ist eine individuelle Empfindungssache.
Gehörst du zu denen, die Beklemmungszustände kriegen, wenn ein Kleidungsstück nicht mindestens 10 cm weiter als der Körperumfang ist?
Oder fühlst du dich darin wie in einem Hauszelt.
Zuschläge für die Bequemlichkeit sind nur ein Anhaltspunkt und keine dogmatischen Werte, die du sklavisch einhalten musst.
Tu, was dir gefällt und worin du dich wohlfühlst.
Pfeife auf das, was in der Anleitung steht, und entscheide dich für das, was dir gefällt und für dich bequem ist.
Mit der falschen Weite kriegst du ein Zelt oder eine Presswurst.
Woraus besteht denn deine Strickanleitung?
Aus einem Foto, wenn du Glück hast, einer Schnittskizze mit Maßangaben und der Beschreibung, wie du stricken sollst.
Das heißt, wie viele Maschen die Designerin für das Modell auf dem Bild angeschlagen hat.
Hallo. Das ist ein Modell, ein Unikat, das der Designerin passt oder manchmal sogar dem Fotomodell auf dem Bild.
Kannst du daran erkennen, wie der Pulli an dir aussehen wird?
Ich denke eher nicht.
Wie soll dein Pulli an dir aussehen
Mach dir am besten eine Skizze von deinem Entwurf oder dem Modell.
Hast du eine Anleitung als Vorlage? Dann schau dir die Schnittzeichnung darin an und zeichne sie ab.
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Messen, Rechnen, Stricken!
Nimm dein Maßband und ermittele an deinem Körper vor dem Spiegel die Weite, die für dein Empfinden richtig ist.
An der Stelle, an der dein Pulli anfangen soll.
Miss die Oberweite über der Brust auf der Höhe vom Armloch und die Weite, die dein Pulli in der Höhe, wo der Anschlag sitzt, haben soll.
Hast du ein tailliertes Modell, dann miss auch die Weite in der Taille.
Miss nicht die Weite deiner Taille, sondern die Weite, die dein Pulli haben soll.
Nach deinem Empfinden.
Trage die Maße, die du gemessen hast, in deine Skizze ein.
Als Skizze kannst du auch eine Kopie vom Schnitt aus der Anleitung machen. Oder du zeichnest den Schnitt einfach ab.
Ich kann leider überhaupt nicht malen oder zeichnen.
Meine Entwurfsskizzen sehen immer wie verunglückte Bauarbeiter oder Anorexiepatienten aus. Geht dir das auch so?
Eine Skizze als Vorlage für deinen Entwurf
Es gibt im Internet Vorlagen von Figurinen, die du als Basis für deine Skizze verwenden kannst.
Zum Beispiel von der Modeschule Sigmaringen.
Du kannst es auch wie Miriam von Silberminze machen und ein Bild aus einer Zeitschrift abpausen.
Alternativ nimmst du ein Bild von dir und fertigst daraus eine Skizze für eine Figurine.
Das funktioniert auch mit einem Foto und diversen Filtern am Computer.
Du hast jetzt die Weite am Bund und über der Brust.
Die Taillenweite brauchst du nur, wenn dein Modell oder deine Figur das erfordert.
Meistens sind die Modellvorschläge gerade geschnitten.
Es ist aber nicht gesagt, dass dieser Schnitt für deine Figur vorteilhaft ist.
Passt der Schnitt zu deiner Figur
Wer hat schon eine 90-60-90 Figur.
Ich nicht.
Du bestimmt auch nicht.
Hast du eine große Oberweite?
Dann kennst du bestimmt das Problem, dass dir Stricksachen am Busen spannen und am Bund zeltartig abstehen.
Nimmst du jetzt die Oberweite als Grundlage für den Maschenanschlag, wird dein Pulli am Bund zu weit.
Schlägst du die Maschenzahl an, die zur Weite am Bund passt, spannt dir der Pulli an der Brust.
Für dich ist es vorteilhafter, die Weite am Bund anzuschlagen und dann bis zum Armloch zuzunehmen.
Das sieht im ersten Moment komisch aus.
Wenn du es trägst, ist es perfekt.
zahlenhexe
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Hast du eher breite Hüften und möchtest, dass dein Pulli diese Partie bedeckt?
Schlage eine bequeme Weite für die Hüften an und nimm bis zur Taille so viele Maschen ab, dass dein Pulli auch obenrum passt und nicht nach Schlabberlook aussieht.
Tröste dich.
Du bist nicht die Einzige, die in Blusen Größe 38 tragen kann und in der Hose Größe 44 braucht.
Probiere es aus.
Wenn du deinen Pulli taillierst, sitzt er perfekt.
Für üppige Oberweite oder ausgeprägte Hüften sind taillierte Schnitte perfekt.
Stehe zu deinen Kurven und setze sie in Szene.
Dann bekommst du den perfekten selbstgestrickten Pullover für dich.
Du bist dir schon im Klaren, was du stricken willst.
Dann hast du schon vor Augen, wann du deinen neuen selbstgestrickten Pulli tragen willst und wozu er passen soll.
Wie die Verwendung die Weite beeinflusst
Ich trage täglich selbstgestrickte Sachen.
Das ist so zusagen mein Markenzeichen.
Dein neuer Pullover soll zu einer bestimmten Hose passen?
Oder er soll dich wärmen, wenn es mal wieder ungemütlich wird?
Das beeinflusst ebenfalls, welche Weite ein Strickstück haben muss.
Ein Pulli, den du unter der Kostümjacke im Büro trägst, hat eine andere Weite als ein dicker Norwegerpulli, den du anziehst, wenn du mit dem Hund hinausgehst.
Wenn du dir unsicher bist, wie du da die richtige Weite findest, messe doch einfach die Weite von einem Kleidungsstück, das du bisher immer in der jeweiligen Situation trägst.
Verwende vorhandene Oberteile als Vorlage.
Zum Beispiel einen Fleece als Vorlage für den Draußenpulli oder ein Langarmshirt für den Businesspulli.
Du willst etwas stricken, das zu einer neu gekauften Hose passt.
Gehe an deinen Kleiderschrank und probiere einfach ein paar vorhandene Oberteile an.
Schaue nur auf Schnitt, Form und Länge und beurteile den Sitz.
Schon weißt du, was am besten zu der neuen Hose passt.
Lenkt dich die Farbe zu sehr ab, dann mach doch ein Selfie vor dem Spiegel und bearbeite das Foto mit einem Schwarz-Weiß-Filter.
Du hast den perfekten Begleiter für deine Neuerwerbung gefunden.
Jetzt brauchst du ihn nur noch auszumessen, um die richtige Weite für den Maschenanschlag zu ermitteln.
Lege das Teil mit dem perfekten Schnitt und der richtigen Länge einfach flach auf den Tisch und messe die Länge und die Weite.
Du siehst, dass die Weite für den Anschlag von vielen Faktoren abhängig ist.
Überlege dir, bevor du mit Stricken anfängst, wie dein Meisterwerk aussehen soll.
Jetzt hast du alle Informationen, um mit deiner gestrickten und gemessenen Maschenprobe die Weite für den Anschlag auszurechnen.
So ermittelst du die richtige Weite
Nimm nicht einfach die Nadeln in die Hand und fange an.
Mit Maschenprobe, Maßband und etwas Köpfchen kannst du einen perfekt sitzenden Pullover stricken.
Dafür gehst du so vor:
- Miss mit dem Maßband, wie lang dein Pulli werden soll.
- Miss die Weite an der Stelle, wo dein Pulli enden soll.
- Überprüfe, ob diese Weite in der Taille und über der Brust ebenfalls passt.
- Achte darauf, was für dich bequem ist.
- Notiere dir Weite und Länge in einer Skizze.
- Berücksichtige Merkmale vom Schnitt und deiner Figur.
Jetzt hast du die perfekte Weite in Zentimetern für den Maschenanschlag für dein neues Strickprojekt.
Die musst du nur noch mit deiner Maschenprobe umrechnen.
Wie das geht, findest du bei Maschenprobe richtig messen.
Nimmst du das Maßband in die Hand, bevor du anfängst zu stricken? Schreib mir in den Kommentaren.
Iris Hammer - 5. Dezember 2025
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Was denkst du?
Kommentare
Liebe Iris
vielen Dank für deine ausführliche Beschreibung von allen Vorbereitungs Schritte. Ich stricke schon ein par Jahre, aber ich muss schon sagen das ist eine sehr perfekte und gut verständliche Anleitung.
Weiter so bitte
Jetzt wünsche ich dir ein schönes erholsames Wochenende
Isabella
Liebe Isabella,
vielen Dank.
Das wünsche ich dir auch.
Viele Grüße
Iris
Hallo Iris,
da brauche ich mich auch nicht zu wundern, dass meine Stricksachen trotz MP und Ausrechnen, immer breiter werden als vorher ausgerechnet. Bei meinem nächsten Objekt werde ich das alles mal berücksichtigen. Ich werde berichten, wenn es soweit ist.
Schönes Wochenende
Liebe Dagmar,
das freut mich. Erst letzte Woche hatte ich wieder den Fall, dass jemand die Körpermaße aus der Konfektionstabelle genommen hat, anstatt zu bestimmen, wie weit der Pulli werden soll. Dann war der Pulli natürlich viel zu eng.
Viele Grüße
Iris
Liebe Iris, vielen Dank für so viele tolle Tipps!!
Ich habe mir gerade einen Rippenpulli vorgenommen (3 re, 2 li). Wenn das Strickstück lose an den Nadeln runter hängt, sind die Rippen "wulstiger", was mir nicht so gut gefällt. Ein klein bisschen gedehnt sieht es hübscher aus und hätte auch die Weite, die ich gerne hätte. Meine Frage ist, ob die Dehnung durch anfeuchten und strecken an allen fertigen Teilen so bleibt, oder ob ich hier ein zu großes Risiko eingehe und der Pulli am Ende doch zu eng ist und ich lieber doch mehr Maschen anschlagen um die benötigte Weite im ungedehnten zu erhalten, die aber mehr auftragen wird. Ich bin dankbar für einen Rat. Viele liebe Grüße Kerstin
Liebe Kerstin,
ja das mit den Rippen ist so eine Sache. Leicht gedehnt messen ist auf jeden Fall richtig. Aber Rippen schmiegen sich eben immer etwas an.
Außerdem ist es auch vom Material abhängig. Wolle oder generell elastisches Material behält eher die Form als Baumwolle oder unelastisches Garn.
Das heißt also: auf jeden Fall leicht gedehnt messen und stricken. Das Strickstück geht dann aber wieder etwas zusammen und schmiegt sich an.
Hier habe ich mal ein Beispiel für die gemessene Maschenprobe mit Rippen und in der Fortsetzung siehst du, wie sich die Rippen anlegen.
Viele Grüße Iris
Prima Serie auf deiner anderen Website (dort schaffe ich es leider nicht, einen Kommentar abzugeben)! Ich gehöre auch zu den "Brettstrickern" (was möglicherweise der Grund ist, warum Raglan für mich mehr Vorplanung erfordert als für andere). Eine Anmerkung muss ich aber noch loswerden: in der Ansicht von hinten gefallen mir die überbreiten Schultern total gut, auch die Dehnung der Rippen und die V-Form des oberen Rückenbereichs. Alles Geschmacksache...
Liebe Cinzia,
vielen Dank. Das könnte tatsächlich sein, dass der Standardraglan bei Brettstrickern nicht funktioniert.
Und ich fühle mich halt immer nicht wohl, wenn es so über die Schultern rüberhängt. Aber ich brauche bei gekauften Sachen immer eine Größe mehr, weil mir sonst der Oberarm zu eng ist. Und dann hängt eben immer die Schulter über.
Aber bei Selbstgestricktem passiert das ja hoffentlich nicht.
Viele Grüße
Iris
so viele angefangene Projekte, nichts passt...
ich habe genau auf diese Hilfe gewartet. Du verstehst mich, hast vielleicht selbst leidvolle Strickerfahrungen gemacht. Ich freue mich ganz sehr und will unbedingt dranbleiben um endlich ein tragbares Stück fertig zu bekommen.
Liebe Christine,
das freut mich. Wenn du am Ball bleibst, klappt es auch mit der Passform.
Viele Grüße
Iris